Interview mit Carmen Hercegfi über die Fragen, ob man Kinder und Babys vegan ernähren kann und sich in der Schwangerschaft ernähren kann.

Die Frage, ob man Babys und Kinder vegan ernähren kann und ob eine Schwangerschaft mit veganer Ernährung möglich ist, kommt immer wieder auf.

Ich habe selbst eine vegane Schwangerschaft gehabt und wir ernähren unseren Sohn von Anfang an vegan. Zu beiden Themen sollte man sich ordentlich informieren und gut belesen.

Carmens erstes Buch „Vegan in anderen Umständen“ habe ich in meiner Schwangerschaft als erstes gelesen, als dann „Vegan für unsere Sprösslinge“ rauskam, haben wir uns das sofort besorgt und lesen uns da momentan ein. Wir kennen Carmen auch schon persönlich, da sie schon öfter bei uns im The Vegan Eagle zu Gast war.

Ich habe mich neulich mit Carmen Hercegfi zu einem Zoom Interview getroffen und ihr ein paar Fragen gestellt, die sich sicher viele von Euch stellen.

Carmen startete während ihrer zweiten Schwangerschaft, die sie vegan gestaltete, den Blog „Vegan in anderen Umständen“, aus welchem später gleichnamiges Buch entstand. Außerdem startete sie eine Ausbildung zur Ernährungsberaterin, da sie damals keine Informationen zur veganen Schwangerschaft auf dem deutschen Buchmarkt fand.

Heute berät sie vegane Familien und macht nebenbei noch eine Heilpraktikerausbildung.

Ihr Ziel ist es, möglichst viel Wissen an die Menschen weiterzugeben, in Form von Videos, Blogbeiträgen oder eben mit einer individuellen Ernährungsberatung.

Wir haben vor allem über vegane Kinderernährung gesprochen, aber auch über ihre Arbeit allgemein und die Veränderungen seit Corona.

Das gesamte Interview als Video gibt es auf Carmens Youtube Kanal, hier nun ein Ausschnitt davon in schriftlicher Form.

Vegan Schwanger – geht das überhaupt?

Ich kenne sehr viele, die das gemacht haben.

Es ist tatsächlich gut machbar, vorausgesetzt man weiß, was man tut, achtet auf die kritischen Nährstoffe. Es ist ja bekannt, welche Nährstoffe kritisch sind in der veganen Ernährung, es ist bekannt welche Nährstoffe besonders beachtenswert sind in der Schwangerschaft, man weiß, dass der komplette Nährstoffbedarf erhöht ist, bei allen Nährstoffen.

Und wenn man diese Informationen zusammenschmeißt, ist eigentlich schon klar, worauf man achten muss, dass es möglichst sicher ist 

Dennoch muss man sagen, dass die Datenlage, also wissenschaftlich, ist immer noch viel zu klein und auch bei der veganen Kinderernährung sind sehr viele Fragen noch offen.
Wir wissen natürlich schon sehr viel mehr, ich habe auch gerade ein Interview mit Dr. Markus Keller gemacht, zu den Ergebnissen der Veggie Studie und da bin ich auch auf einige Fragen gestoßen, wo es um Aminosäuren und Selen zB geht, die wurden da einfach noch nicht erfasst, weil die natürlich auch nur begrenzt Budget hatten. 

Aus meiner Erfahrung, also jetzt sind es ja fast 6 Jahre, mit der eigenen Erfahrung bin ich dann bei 7 Jahren, mit Schwangerschaft und Kinderernährung und mein großer ist jetzt 16, der lebt jetzt seit einigen Jahren fast ganz vegan, genau, also das funktioniert auf jeden Fall, wenn man sich richtig informiert und eben auch beobachtet, ob man selbst irgendwelche Mangelerscheinungen bekommt, oder die Kinder, dann muss man natürlich spätestens reagieren, aber eigentlich präventiv alles richtig machen: vollwertig essen, lecker Essen natürlich -wichtig! Und bei Kindern ist es natürlich im nächsten Step etwas komplexer, wenn die anfangen zu sagen, ich will dies und jenes nicht essen.

Kinder von Anfang an vegan ernähren, geht das?

Tatsächlich ist es so, dass die Ernährung im ersten Lebensjahr noch relativ einfach ist, da ja in der Regel noch weiter gestillt wird oder eine Säuglings-Milch-Ersatznahrung gegeben, die ja auch voll ist mit Nährstoffen und ob man da die „normale“ oder die vegane Variante nimmt, ist erstmal nicht kriegsentscheidend, im Detail dann schon. Da habe ich auch gerade ein Interview mit einer Expertin für Formula Nahrung geführt, wenn man nicht stillen kann, worauf man da achten muss. Weil viele von den veganen Nahrungen sind tatsächlich eher Nahrung für eher kranke Kinder und die sind in der Zusammensetzung schon anders, da sollte man dann schon ärztlich betreut sein, also das nehmen wir da schon ganz gut auseinander – also sie vielmehr – aber in der Regel ist das so, dass die veganen Mamas stillen, wann immer das geht und auch lange stillen, also häufig auch über das erste Lebensjahr hinaus oder wirklich richtig Langzeitstillen.

Im ersten Lebensjahr ist es natürlich wichtig, dass man das richtig macht, aber es ist noch relativ unkompliziert, weil die Kinder ja in der Regel noch alles essen, was man ihnen vorsetzt, da sie den Eltern Mama noch vertrauen und noch kein Misstrauen haben, vielleicht ist das giftig und probieren dann alles aus.

In der Regel funktioniert das im ersten Lebensjahr recht easy.

Der größte Kritikpunkt, der meistens kommt ist ja B12 und Eisen. Wobei wir B12 sehr einfach lösen können. Zum einen muss die stillende Mama sich gut versorgen und spätestens mit Beikost-Beginn muss dann auch das Baby B12 bekommen (in einzelnen Fällen auch sofort). Zusätzlich sollte man darauf achten, die Beikost eisenreich zu gestalten, da weiss man aus Studien, dass die Muttermilch die Kinder schon bis 10 Monate versorgt, man hat also noch ein bisschen Zeit, bis dann auch relevante Mengen vom Kind gegessen werden, aber gerade das Thema Eisen kann problematisch werden. Man weiss aber, dass Kinder, die sehr lange gestillt werden, dass die eher im Eisenmangel landen, als Kinder, wo die Beikost früher eingeführt wird. Und es gibt auch einen Unterschied zwischen gestillten Kindern und Formula-ernährten Kindern in diesem Fall, also was das Eisen angeht. Da ist eben ist der Formula mehr Eisen drin. Das ist zwar schlechter bio-verfügbar, aber von der Menge doch so hoch angepasst, dass die dann besser versorgt sind. In der Muttermilch haben wir wenig Eisen, aber es ist sehr gut bio-verfügbar, also 50% werden etwa aufgenommen davon. 

Was sind die größten Fehler bei der veganen Baby- und Kinderernährung?

Da würde ich gerne mal auf unser Webinar verweisen, wir haben ein komplettes Webinar zu den größten Fehlern. 

Das Thema Supplementierung ist ein großer Fehlerbereich, da kann sehr viel passieren, ansonsten weiss ich aber auch, dass ganz viel im hektischen Alltag untergeht. Also dieses, ich hab ganz viel Wissen im Kopf, aber irgendwie kann ich das nicht umsetzen. Morgen mach ich es besser. Und dann nehm ich mir das vor und so weiter.
Dann mäkelige Esser, da ist natürlich auch eine Fehlerquelle, aber die größte Fehlerquelle ist bei Menschen, die sich nicht informieren. Aber die werden auch unser Interview nicht gucken, deshalb versuche ich auch immer, viele Informationen einfach so rauszugeben, dass es möglichst gut und weit verteilt wird und nicht mit dem Zeigefinger, das geht alles nicht, das lesen sich die Leute dann auch nicht durch, sondern dass man schaut, dass man möglichst die Eltern erreicht.

Das Interview in voller Länge gibt es hier:

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Vielen Dank an Carmen, für Deine Zeit und die vielen ausführlichen Infos, sowie fürs Aufzeichnen und Zusammenschneiden des Interviews!

Mehr Infos über Carmen findet ihr hier: https://www.vegane-familien.de/about_carmen_hercegfi/

Und hier gehts zum Webinar: https://kurse.vegane-familien-masterclass.de/webinar?source_id=eagle

 

Fotos: Konstantin Elser, Hannah Elser, Carmen Hercegfi